Schlafen ist gesund und macht klug

Abends im Bett nicht einschlafen können, in der Nacht stundenlang wach liegen – und sich dann hundemüde, unkonzentriert und reizbar durch den Tag quälen. Schlaflosigkeit macht nicht nur müde, sie kann auch auf Dauer gesundheitliche Konsequenzen nach sich ziehen. So nimmt etwa das Risiko für eine Depression, Bluthochdruck, Herzinfarkt und Herzversagen deutlich zu.

Der Körper braucht sein nächtliches Regenerationsprogramm, um sich buchstäblich gesund zu schlafen. Während der Nachtruhe laufen lebenswichtige Prozesse ab. Zum Beispiel schüttet das Gehirn im Tiefschlaf ein Wachstumshormon aus, das die Bildung neuer Zellen anregt. Dadurch können Wunden heilen und Knochen wachsen. Haut und Organe erneuern sich. 

Außerdem vernetzt das Gehirn seine Nervenzellen neu, um die Eindrücke des Tages dauerhaft zu speichern. Dabei verinnerlicht es auch motorische Fähigkeiten wie Klavierspielen oder Fahrradfahren. Schlafen hält sogar schlank. Denn während wir entspannt und gut schlafen, schütten unsere Fettzellen das Hormon Leptin aus. Das verhindert, dass der Körper nachts Hunger verspürt.

Menschen und Tiere verbringen rund ein Drittel ihres Lebens im Schlaf – einem Zustand von weitgehender Bewusstlosigkeit und Inaktivität. Doch über die Funktionen von Schlaf gab es bislang widersprüchliche Forschungsansätze. Nun haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Universitätsklinikums Freiburg erstmals beim Menschen nachgewiesen, dass Schlaf eine Doppelfunktion hat: Zum einen werden im Schlaf relevante neue Verbindungen zwischen Nervenzellen gefestigt. Zum anderen werden weniger relevante Verbindungen und die Gesamtaktivität des Gehirns gemindert. Die Ergebnisse, die am 30. Januar 2019 im Fachmagazin SLEEP erschienen sind, könnten das grundlegende Verständnis von Schlaf sowie die Behandlung von vielen Erkrankungen, bei denen der Schlaf gestört ist, verbessern.

Stärkt Schlaf die Nervenzellverbindungen des Gehirns, deren Gesamtstärke während der Wachphase ansteigt, oder schwächt er Nervenzellverbindungen des Gehirns? Über diese Frage diskutieren Schlafforscher seit vielen Jahren. „Unsere Arbeit (…) zeigt, dass Verstärkung und Abschwächung der Hirnaktivität im Schlaf gleichzeitig möglich sind“, sagt Prof. Dr. Christoph Nissen, Forschungsgruppenleiter an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg. Durch die Verstärkung relevanter Nervenzellverknüpfungen wird neu Erlerntes gefestigt. Gleichzeitig wird die über die Wachphase ansteigende Gesamtstärke von Nervenzellverbindungen des Gehirns gemindert. So wird die Gesamtaktivität konstant gehalten und nach dem Schlaf können wieder neue Inhalte aufgenommen werden. „Dies könnte erklären, warum es sich evolutionär gesehen lohnt, weitgehende Bewusstlosigkeit und Inaktivität für Schlaf in Kauf zu nehmen“, sagt Prof. Nissen.

„Die Stärkung der Nervenzellverknüpfungen passte gut mit der schlaftypischen Gehirnaktivität in Form von langsamen Gehirnwellen und Schlafspindeln überein“, sagt Ko-Autor Prof. Dr. Dieter Riemann, Leiter der Abteilung für Klinische Psychologie und Psychophysiologie sowie des Schlaflabors an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg. Zunächst reizten die Freiburger Forscher im Schlaflabor mit Hilfe einer Magnetspule über dem Kopf der Probanden, der sogenannten transkraniellen Magnetstimulation (TMS), einen Bereich im Gehirn, der einen Daumenmuskel steuert, und maßen dessen Kontraktionsstärke. Im zweiten Schritt reizten die Forscher zusätzlich einen Nerv am Arm, der Nervenimpulse ins Gehirn sendet. Die wiederholte Kombination dieser Reizung führt nachfolgend zu einer stärkeren Kontraktion des Daumenmuskels, was auf eine gesteigerte Verknüpfungsstärke zwischen Nervenzellen in dem stimulierten Hirnareal schließen lässt. Die Verknüpfungsstärke zwischen Nervenzellen ist entscheidend an der Informationsverarbeitung im Gehirn beteiligt. Ihre Anpassung in Form von Stärkung oder Schwächung (synaptische Plastizität) gilt als molekulare Entsprechung für Lernen und Gedächtnisbildung.

Bei zwei Versuchsterminen durften die Probanden nach der Ko-Stimulation einmal einen Mittagsschlaf von bis zu 45 Minuten machen, einmal blieben sie wach. Nach der Pause wurde bei allen Probanden die Hirnstimulation wiederholt. Wenn Probanden geschlafen hatten, war die Kontraktion des Daumens deutlich stärker, als wenn sie wach geblieben waren. Mit Hilfe eines Elektroenzephalogramms (EEG) maßen die Forscher zusätzlich die Gesamtaktivität des Gehirns. Diese war nach der Wachphase erhöht und nach der Kurzschlafphase stabilisiert. „In unserer Studie konnten wir auch zwei Stunden nach dem Schlaf noch deutlich verstärkte Effekte auf neuronaler Ebene messen“, sagt Prof. Riemann.

Fünf Tipps, damit Sie besser einschlafen und gut durchschlafen:


  • Ideal ist eine Raumtemperatur von 18 Grad

  • Gute Matratze und Wechsel von Sommer- und Winterdecke

  • Nicht mit vollem Magen zu Bett gehen

  • Kein Wein und Koffein nach 15 Uhr

  • Rituale zum Abschalten von der Arbeit