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Autosammlung Schlumpf, Mulhouse - Mehr Automobil geht nicht!

„Autos sind Emotion!“, formulierte es einmal knapp und treffend der damalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Um pure Emotion dürfte es sich beim Treiben der Brüder Schlumpf gehandelt haben: Sie stammten aus einer der reichsten Familien des Elsaß, die ihr Vermögen in der Textilindustrie gemacht hatte. Von 1945 bis 1977 schufen die Brüder die größte Automobilsammlung der Welt. Der Kern des Bestandes, der heute das Cité de l’Automobile – Musée National – Collection Schlumpf (Stadt des Automobils, Nationalmuseum, Sammlung Schlumpf) darstellt, ist mit einer Ausstellungsfläche von 25.000 m², davon 17.000 m² in einer einzigen riesigen Halle, das wohl größte und interessantes Automuseum der Welt. Ausgestellt sind 400 Oldtimer ganz überwiegend aus der Frühphase der Automobilzeit bis in die 1930er Jahre. Daneben befinden sich, ebenfalls größtenteils von den Gebrüdern Fritz und Hans Schlumpf gesammelt, weitere 150 Automobile in teilweise desolatem Zustand in Räumlichkeiten außerhalb des Museums.

Die Geschichte der Sammlung

Von Beruf Textilproduzenten, entfernten sich die beiden Brüder – jeder ein leidenschaftlicher Autosammler – immer weiter von ihrer eigentlichen Profession, unter Außerachtlassung jeglicher unternehmerischer wie sozialer Verantwortung. Zwischen dem Ende des Zweiten Weltkrieges und 1977 entstand so eine große Sammlung klassischer Automobile, darunter die wohl weltweit größte Ansammlung von Fahrzeugen der legendären Marke Bugatti. Zur Finanzierung dieses Hobbys belasteten die Brüder das Betriebsvermögen ihres Unternehmens derart, dass es 1977 zahlungsunfähig wurde und über 2000 Beschäftigte in die Arbeitslosigkeit entlassen werden mussten. Im gleichen Jahr flohen die Brüder von Mulhouse in die Schweiz; sie betraten nie wieder französischen Boden, sahen ihre Sammlung, die sie in einem Teil der Werkshallen ihres Textilunternehmens eingerichtet hatten, nie wieder.

Rund um den Zusammenbruch des Unternehmens kam es zu Ausschreitungen im Rahmen eines Streiks. Die bis zu diesem Zeitpunkt der Öffentlichkeit nicht bekannte Automobilsammlung wurde dabei von den ehemaligen Arbeitern des Textilwerkes entdeckt. Sie besetzten die Räume der Sammlung und öffneten sie das erste Mal einer breiten Öffentlichkeit. Mit dem zu erzielenden Erlös aus dem Verkauf der Fahrzeuge hätten die Forderungen der Gläubiger bedient werden können, jedoch konnte die Sammlung – vor allem durch die Intervention der französischen Regierung – in ihrer Gesamtheit erhalten werden. Unter den insgesamt 87 Bugatti der Sammlung befinden sich zwei von insgesamt sechs noch existierenden Bugatti Royale (Typ 41) sowie die Rekonstruktion eines weiteren Exemplars. Ein Bugatti dieses Typs hat 1991 bei einer Auktion den Kaufpreis von rund acht Mio. US-Dollar erzielt. Im Depot des Museums befinden sich auch ein Mercedes "Silberpfeil" Typ W 154 II (1939), für den zunächst 17, dann sogar 30 Mio. Euro geboten wurden, sowie die Nr. 2 von 2 des Bugatti Typ 251. Da die Sammlung einschließlich ihrer noch in den Depots befindlichen Fahrzeuge jedoch dem französischen Kulturgut angehören, sind sie unverkäuflich.

Ein Muss für Autofans!

Vorgehen und Ziel der Gebrüder Schlumpf ist schwer zu bewerten: sie ignorierten ihre wirtschaftliche und soziale Verantwortung, sich selbst wie ihren Mitarbeitern gegenüber,  hinterließen jedoch der Nachwelt eines der größten und faszinierendsten Automobilmuseen der Welt. Die ehemaligen Werkshallen der Textilfabrik beherbergen heute das Museum, das durch verschiedene zusätzliche Sammlungen und Einrichtungen weiter aufgewertet wurde und heute zu den unveräußerbaren Kulturgütern der Französischen Nation zählt.

Wer Autofan ist, wen Automobile nicht kalt lassen, der sollte sich diese Sammlung ansehen: es gibt kaum einen Ort, an dem mehr edle Karossen versammelt sind und wo der Besucher mehr über die Geschichte des Automobils erfährt.

Cité de l’Automobile

Nationales Automobilmuseum

Sammlung Schlumpf

192, avenue de Colmar

Mulhouse

Tel.: +33 3 89 33 23 oder 21

Fax: +33 3 89 32 08 09

Email: message@collection-schlumpf.com

Internetseite: www.citedelautomobile.com

Öffnungszeiten

Das Museum ist ganzjährig 7 Tage pro Woche geöffnet (außer am 25. Dezember):

1. Januar bis 6. Januar: 10.00 bis 17.00 Uhr

7. Januar bis 15. Februar: Wochenende 10.00 bis 17.00 Uhr / Werktage 13.00 bis 17.00 Uhr

16. Februar bis 12. April: 10.00 bis 17.00 Uhr

13 April bis 11. November: 10.00 bis 18.00 Uhr

12 November bis 31. Dezember: 10.00 bis 17.00 Uhr